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Entstehungsgeschichte

1904 bereits geplant Marteau versprochen und zugedacht
Beginn der Komposition ab Sommer 1907 in Kolberg
I. Oktober
II. 30.12.1907
Finale am 23.4.1908 beendet in Leipzig Felixstr. 4 II
Uraufführung 15. Oktober 1908 Leipzig Gewandhaus Marteau Nickisch Dauer 63 Minuten (lt. Segnitz)
Kritik ? s.RS2


Andere Interpreten zu Regers Lebzeiten
Schmuller, Wendling, A. Busch
später Gustav Havemann, Georg Kulenkampff

Erstauff. USA Fritz Adolf Busch in New York : vgl. Grete Busch, s. Kritik



New York 1942

Die Erstaufführung von Regers op.101 in den USA wurde durch besondere Umstände bewirkt. Zuerst
natürlich durch den unbedingten Willen der Busch-Brüder, sich für Regers Werke einzusetzen;
außerdem hatte Toscanini Adolf Busch versetzt und Jascha Heifetz für das Brahmskonzert ausgewählt.
Hier wollten Sie einen klaren Kontrapunkt trotz aller Risiken setzen.
Nach meinen Informationen ist seitdem das Werk nie wieder in den USA aufgeführt worden, ein Umstand,
der dringend einer Änderung bedarf. Wo findet sich ein mutiger Künstler, der dies bewerkstelligt? Sehr
schön wäre auch eine Aufführung beim Marlboro-Festival in Vermont in der Kolisch-Fassung; als Ehrung
für Adolf Busch, der dieses Kammermusikfestival mitbegründet hatte.

Grete Busch:
Daß Reger dem amerikanischen Publikum fremd war - im allgemeinen ist er es heute noch - wußte Busch; er wußte, daß Regers Musik dem auf Sibelius eingeschworenen einflußreichsten Kritiker aufs grimmigste gegen den Strich ging; daß also, wer sich auf Reger versteifte, seine Haut zu Markte trug. Das nun, fand Busch, gehöre zur Haltung des Apostels, zu dem er sich für Reger von Jugend aufgemacht hatte. Er schlug Breschen in die Reger-Fremdheit, wohin er nur kam. Er war mit ganzer Seele dabei, in New York dasselbe zu tun, ob es gefährlich war oder nicht.
Zu diesem Enthusiasmus gesellte sich diesmal ein Moment, das an das Tiefste seiner angeborenen Impulse rührte: die Genugtuung, die er dem Bruder für die erlittene Zurücksetzung zu geben wünschte. Toscanini brachte das Brahmsche
Violinkonzert bei der Hundertjahrfeier der Philharmonie nicht, wie zu erwarten, mit Adolf Busch, sondern
überraschenderweise mit Jascha Heifetz. Adolf hatte an Fritz geschrieben, „ um zu wissen, ob Du einverstanden wärest, wenn ich (fall nicht um) das Regersche Violinkonzert in meiner Revision spielen würde... Du weißt, daß Brahms nicht in Betracht kommt... So möchte ich etwas spielen, an dem ich mit ganzem Herzen hänge." Wie hätte der Bruder sich dem verschließen können! So setzten beide ihr Bestes für den Meister ihrer Herzen ein, zelebrierten ein Adagio, wie es schöner und inniger
nach Brahms nicht geschrieben worden ist, und scheiterten, wie es vorauszusehen war. Olin Downes, der erste Kritiker New Yorks, nannte Regers Musik „beer and sausage" - ,Bier und Wurst"; und als Fritz und Adolf sich ihren Mißerfolg zu erklären versuchten, sagte Adolf philosophisch nach langem Nachdenken: „Vielleicht haben wir ihnen nicht gefallen?"
(aus: Grete Busch: Fritz Busch - Dirigent)


Programm Carnegie Hall 1942

Kritik New York Times 30.1.1942 :
Fritz Busch conducted the New York Philharmonic-Symphony Orchestra last night in Carnegie Hall, and Adolph Busch was the soloist of the evening, playing the intermmable Reger violin concerto, opus 101, for the first time in this city. The concerto originally lasted 65 minutes. The violinist has made some modest revisions which slightly curtail this length. We wish that any revisions could modify the grossness, the complacency, the tedium and the execrable taste of this concerto.
It is of the school which seeks quantity and not quality in composition. The more notes the better. Thickness and weight are apparently the criterion, opaqueness and sogginess the constant characteristics. It is the bourgeois at his unlovely worst, beer and sausage in unlimited proportions. The final proof of the fatuousness of the composer arid his absence of sen-sibility is provided by Reger's own incredible belief that in producing this awful piece he had "added a third to the concertos of Beethoven and Brahms." He observed that it had taken the public twelve years to understand the Brahms con-certo. The premiere of Reger's concerto was in 1908. For some reason it has not attained the rank of its predecessors.

A Difficult Task
Mr. Adolph Busch played this concerto when he was sixteen, and at eighteen he performed it in Berlin under Reger's directions. He plays it superatively well. It is a hard job, too. But he is a thoroughly schooled musician, and he has plenty of technic and muscle for it. The audience had reason to admire his feat. On a certain occasion a celebrated performer did astounding things with an obnoxious composition, another artist present astonished a friend by smiting his palms and shouting at the top of his voice, "Kolossal! Kolossal!" "What," cried the friend, "do you really mean it?" "Of course I mean it." "You mean you like that?" "Certainly not!"And we must reluctantly say that the Reger concerto was not the only instance of bad taste last night. Why Mr. Busch, the conductor, should introduce in a concert hall the Busoni distortion of Mozart's overture to the opera "Escape from the Seraglio" is a question that may reasonably be asked. For this is not Mozart's overture. It is a brutal operation by Busoni, who did not scruple to include in the overture - which leads directly into the opera - parts of two of the airs of Osmin that come later, and then to tack onto these measures some composed by Busoni himself, based upon earlier thematic material of Mozart Vandalism of a different sort, and less excusable! Reger knew no better. Why injure helpless Mozart?

Konzertkritken

2001 Deinsova Weiden Der Neue Tag 13.3.
2007 Skiba Karlsruhe Badische Neueste Nachrichten 31.1.2007

Warum ist Regers Musik so schwer verständlich? - Carl Dahlhaus

Nicht, dass Reger ein von Vergessenheit bedrohter Komponist wäre. Manche Werke, wie die Mozart-Variationen, gehören zum festen Bestand, ohne den eine Konzertsaison kaum zu denken ist. Und einige andere, wie der 100. Psalm oder das Klavierkonzert, sind durch einen nur geringen Abstand - eine Distanz, die schwer begreiflich ist - von dem Status eines Repertoirestücks entfernt, der ihnen eigentlich gebührt.
Von Popularität aber kann kaum die Rede sein (nicht einmal von Popularität bei den musikalisch Gebildeten, der einzig erreichbaren für Werke, die das musikalische Denken herausfordern). Und einer der Gründe ist offenbar ein ästhetisch ‘strategischer’: Regers Musik hinterlässt, im Unterschied zu der von Mahler oder Berg, bei Hörern, die wenig oder nichts begriffen haben, das ebenso deutliche wie unangenehme Gefühl, dass sie nichts begriffen haben; die Einsicht in den eigenen Mangel an Einsicht wird ihnen durch eine Musik, der ein didaktischer Zug eigen ist, nicht verhüllt, sondern aufgedrängt. (Die Differenz zwischen gefühltem und nicht gefühltem Unverständnis macht sogar in der Philosphie einen Stilunterschied aus, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte: Bei Descartes kann man sich darüber hinwegtäuschen, dass man nichts versteht, und die Lektüre unbekümmert fortsetzen, niemals aber bei Kant.)

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Literatur


Vortrag:
Toronto 2000
Musical Intersections
3.11.2000
Recastings: Reger and Mahler
Joseph Auner (SUNY at Stony Brook), Chair
The Verein Arrangement of Max Reger’s Violinkonzert, Op. 101
Kevin Mooney (University of Western Ontario)